Gewaltfreie Kommunikation
Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine Gesprächsform, die von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Sie ermöglicht Menschen, so miteinander umzugehen, dass sich der Kommunikationsfluss zwischen ihnen spürbar verbessert.
Gewaltfreie Kommunikation ist sowohl beim Kontakt im Alltag als auch beim friedlichen Lösen von Konflikten nützlich. Dies gilt für den persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich. Sie versteht sich nicht als Technik, andere Menschen zu einem bestimmten Handeln zu bewegen, sondern als Grundhaltung, bei der eine wertschätzende Beziehung im Vordergrund steht.
Die Gewaltfreie Kommunikation steht in der Tradition der Klienten-zentrierten Gesprächstherapie von Carl Rogers. Beeinflusst wurde sie auch von Mahatma Gandhi und seiner Praxis der Gewaltfreiheit.
Unter lebensentfremdender Kommunikation versteht Rosenberg Formen, die zu Gewalt beitragen. Gewalt meint für ihn jedes Erfüllen eigener Bedürfnisse auf Kosten anderer. Lebensentfremdende Kommunikation zeigt sich durch:
- Moralisches Urteilen über den Kommunikationspartner. Dazu gehört das Diagnostizieren, Zuschreiben und Vergleichen von Eigenschaften. Rosenberg zitiert im Bezug auf die Vermischung von Beobachtung und Bewertung den indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti mit den Worten: „Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist die Fähigkeit, zu beobachten, ohne zu bewerten.“
- Das Leugnen der Verantwortung für eigene Gefühle und Handlungen. Eine häufige Form ist auch das Äußern von sogenannten Pseudogefühlen, die eigentlich Gedanken sind, z. B. ich fühle mich provoziert. Hier handelt es sich um ein Pseudogefühl, da es ein Urteil über den anderen impliziert, der indirekt als Provokateur bezeichnet wird.
- Das Stellen von Forderungen anstatt des Äußerns von Bitten. Der Unterschied zwischen Bitte und Forderung ist fundamental: einer Bitte darf auch nicht entsprochen werden; bei einer Forderung drohen negative Sanktionen. Dies muss nicht immer in Form von offensichtlichen Strafen passieren, möglich ist auch die Erzeugung von Angst oder Schuldgefühlen beim Gegenüber.
Gewaltfreie Kommunikation beruht auf vier Schritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte
- Mitteilung der Beobachtung einer konkreten Handlung, ohne sie mit Bewertungen oder Interpretationen zu vermischen.
- Mitteilung des Gefühls, das durch die Beobachtung ausgelöst wurde.
- Formulierung des dem Gefühl zugrunde liegenden Bedürfnisses.
- Bitte um eine konkrete Handlung. Hier wird zwischen Bitten und Wünschen unterschieden: Bitten beziehen sich auf Handlungen im Hier und Jetzt, Wünsche auf Ereignisse in der Zukunft. Da Empathie immer im Hier und Jetzt ist, passen zu ihr nur Bitten, die im Jetzt erfüllt werden können. Rosenberg schlägt vor, Bitten in einer positiven Handlungssprache zu formulieren.
Die Gewaltfreie Kommunikation bedarf erheblicher Einübung. Hier ein praktisches Beispiel anlässlich einer schmutzigen Wohngemeinschaftsküche:
| Lebensentfremdend | Gewaltfreie Kommunikation | |
|---|---|---|
| Beobachtung | Beobachtung und Bewertung werden vermischt: „Du verhältst dich in der Küche richtig schlampig!“ | Es werden konkrete Handlungen beschrieben: „In der letzten Woche hast du dein Geschirr 3x nach dem Essen auf die Spüle gestellt und es stand dort jeweils bis zum Morgen. Dann habe ich es abgespült.“ |
| Gefühl | Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Pauschalierungen: „Ich
fühle mich provoziert, es ist dir total egal, dass hier so ein
Dreck ist!“ |
Die Gefühle werden mit dem in Verbindung gebracht, was ich beobachte: „Als ich das erlebte, wurde ich sauer.“ |
| Bedürfnis | Das Bedürfnis wird nicht (klar) geäußert: "Das geht so nicht weiter!" | Eigene Bedürfnisse werden mitgeteilt: „Wenn ich ins Haus komme, habe ich gerne eine saubere Küche, sodass ich mich entspannen kann.“ |
| Bitte | Eine Forderung wird gestellt, bei deren Nichtbeachten Sanktionen drohen: „Wenn es kommende Woche nicht sauber ist, dann schmeiß' ich dein Geschirr weg!“ | Ich bitte um eine konkrete Handlung: „Sage mir bitte, ob du bereit bist, dein Geschirr gleich nach dem Essen abzuspülen oder gemeinsam mit mir nach einem besseren Weg zu suchen.“ |